Über die Arbeit
Die künstlerische Praxis von Rainer Günter bewegt sich in einem Spannungsfeld, das er selbst als produktiv begreift: zwischen dem, was er weiß, und dem, was er nicht kontrollieren kann. Farbe übernimmt in seinen Bildern eine aktive Rolle — sie folgt ihrer eigenen Logik, schichtet sich auf, durchdringt Schicht um Schicht den Bildträger und erzeugt eine Tiefe, die weniger optisch als haptisch erlebt wird.
Künstlerische Entwicklung
Seit über zwei Jahrzehnten erkundet Rainer Günter die Grenzzone zwischen Figuration und Abstraktion. Was in frühen Jahren noch stärker am sichtbaren Motiv orientiert war, hat sich zu einer Bildsprache entwickelt, in der das Figürliche als Erinnerung aufscheint — erkennbar und gleichzeitig enthoben. Seine Arbeitsweise ist geprägt von intensiver Auseinandersetzung mit Farbtexturen, räumlichen Kompositionen und der emotionalen Ausdruckskraft von Gesten und Linien.
Jedes Werk entsteht durch einen Prozess, der Intuition und konzeptionelle Überlegung verbindet — selten linear, oft mit langen Phasen des Wartens und des bewussten Nicht-Tuns, bis das Bild selbst eine Richtung vorgibt.
Technik & Material
Rainer Günter arbeitet überwiegend mit Acrylfarben, Öl und verschiedenen Mischtechniken auf Leinwand. Die Wahl der Materialien folgt der künstlerischen Absicht: Transparente Lasuren schaffen Tiefe und Ambivalenz, strukturierte Schichtungen aus Modelliermasse, Sand oder Pigment aus der Provence geben dem Bild eine eigene physische Präsenz — etwas, das man nicht nur sieht, sondern das auch im Raum wirkt. Seine Werkzeugpalette reicht von klassischen Pinseln bis zu spontanen Applikationsmethoden, die den Zufall als Mitarbeiter begreifen.
Inspiration
Die Ausgangspunkte seiner Arbeiten entstammen dem Alltag, Naturbeobachtungen — insbesondere der Landschaft der Provence, die seine Bildsprache seit Jahren prägt — und intensiven psychologischen Reflexionen über das Verhältnis von Mensch und Raum, Bewegung und Stille, Nähe und Distanz. Seine Werke hinterfragen die Wahrnehmung und laden dazu ein, eigene Interpretationen zu finden. Es gibt keine Antworten — nur ein Angebot, hinzuschauen.
Im Dialog mit dem Bild
Das Atelier ist für Rainer Günter kein Produktionsort im klassischen Sinne — es ist ein Raum des Zuhörens. Bilder entstehen hier langsam, in Schüben, manchmal über Monate. Zwischen den Arbeitsphasen liegt Stille — und in dieser Stille entscheidet sich, was als Nächstes passiert.
Besichtigungen des Ateliers sind auf Anfrage möglich.
Kontakt aufnehmenDrei Perspektiven auf das Bild
Abstrakter Expressionismus
Kraftvolle, oft großformatige Arbeiten, in denen Farbe und Geste zum primären Ausdrucksmittel werden. Emotion wird unmittelbar sichtbar — ungefiltert, spontan, physisch. Die Provence-Serie bringt zusätzlich echte Materialien aus der südfranzösischen Landschaft in das Bild: Sand, Ocker, Modelliermasse.
Serie ansehen →Abstrakter Realismus
Werke, die das Spannungsfeld zwischen Figuration und Abstraktion als ihren eigentlichen Gegenstand begreifen. Erkennbare Motive — Figuren, Räume, Landschaften — werden so weit abstrahiert, dass sie zur Frage werden: Was zeigt dieses Bild? Was verbirgt es?
Serie ansehen →Der Mensch
Figurative Arbeiten, in denen das menschliche Wesen im Mittelpunkt steht — seine Haltung, seine Präsenz, seine Einsamkeit und Verbundenheit. Die Porträts und Figurenstudien dieser Serie sind malerische Begegnungen.
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